Verband der Pony- und
Pferdezüchter Hessen e.V.
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SPORT

17. Bundeschampionate in Warendorf

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Fünf Tage Höchstleistungen

Warendorf (fn-press). Wetter ist immer. Diesmal sorgten aber intensive, tagelange Regenfälle bis kurz vor den Bundeschampionaten für Sorgenfalten auf der Stirn von Turnierleiter Carsten Rotermund (Warendorf) und seinen Mitarbeitern. Vor den sportlichen Höchstleistungen der Pferde galt es für den Veranstalter organisatorische Höchstleistungen zu bringen. Am Ende hatte Petrus dann ein einsehen. Pünktlich mit dem ersten der fünf Prüfungstage besserte sich das Wetter. Am letzten Tag lockte ein warmer Spätsommertag schließlich 12.000 Besucher. Damit glückte auch eine Steigerung der Besucherzahlen um 500 auf 33.000.

Foto: www.reitbilder.de

Auch wenn es bei den Zahlen leicht bergauf ging. Zufrieden geben will sich Carsten Rotermund damit nicht. „Wir müssen neue Ideen entwickeln, um in einem ersten Schritt wieder dei 35.000-Zuschauer-Marke zu knacken.“ Immerhin hatten die Besucherzahlen vor Jahren schon einmal die 40.000er Grenze überschritten. Statt neuer Besucherrekorde stellten die Teilnehmer aber Rekorde auf. Mit ihrem 20. Bundeschampion führt Jana Freund (Weeze) die Liste der erfolgreichsten Titel-Macher an. Erstmals holte zudem ein Pferd dreimal in Folge einen Bundeschampionatstitel. Nach Siegen bei den drei- und vierjährigen Reitpferdehengsten in 2008 und 2009 holte sich der Hannoveraner Lissaro van de Helle (von Lissabon - Matcho AA) den Titel bei den fünfjährigen Dressurpferden.

Vor 35 Jahren nahmen die Bundeschampionate mit dem Titel für die Reitpferde 1976 ihren Anfang. Im Laufe der Jahre kamen weitere Titel hinzu und die Veranstaltung wurde größer. Nach Jahren der Wanderschaft fanden die Bundeschampionate 1994 in der Emsstadt ihre Heimat. Damit begann die auch wirtschaftliche Erfolgsgeschichte der wohl wichtigsten deutschen Zuchtveranstaltung – auch „Schaufenster der deutschen Pferdezucht“ genannt.

Rund 800 Pferde aus ganz Deutschland kamen für die fünf Championatstage nach Warendorf. Wie immer waren 54 Prüfungen in den Klassen Reit-, Dressur-, Spring-, Vielseitigkeitspferde und -ponys sowie Fahrpferde ausgeschrieben. Am Ende brachten 20 Pferdebesitzer einen Bundeschampion in den heimischen Stall zurück.

Die Bundeschampionate sind aber nicht nur hinsichtlich der Pferde ein Turnier der Superlative. 450 Helfer, davon 300 Ehrenamtler, waren während der Championatstage im Einsatz und garantierten einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung – ebenso wie die 30 Richter, sechs Stewards, 15 Tierärzte, sieben Schmiede und 13 Ärzte. Rund 140 Aussteller boten Shoppingspaß rund ums Pferd. Auch das Medieninteresse an den Bundeschampionaten war ungebrochen. 185 Medienvertreter besuchten die Veranstaltung. Von dem 36,5 Hektar großen Veranstaltungsareal wurden sechs Hektar für Parkplätze genutzt, die maximal 15.000 Besuchern pro Tag Platz bieten. Die weitere Fläche verteilte sich auf fünf Prüfungsplätze – mit rund 6.000 Tribünenplätzen –, 20 Stallzelte mit rund 800 Boxen, zwei Hengstzelte und ein kombiniertes Boxen/Kutschenzelt. Eingezäunt war das Areal mit 3.500 Meter Bauzaun. Rund 1.500 Pflanzen wurden zur Dekoration auf dem Gelände verteilt. Damit die Besucher auch bei schlechtem Wetter trockenen Fußes von Platz zu Platz kamen, wurden die Besucherwege mit 1.200 Kubikmeter Hackspäne präpariert – 400 mehr als im Vorjahr. Während der Championate wurden 5.000 Ballen Stroh, 1.300 Ballen Späne und 2.500 Ballen Heu in den Stallungen verbraucht. Für die Versorgung mit Strom sorgten fünf Aggregate mit einer Gesamtleistung von 2.000 KVA. Das waren zirka 180.000 Watt. Damit könnten 50 Vier-Personen-Haushalte ein Jahr versorgt werden. Verteilt wird der Strom über insgesamt 7.860 Meter Kabel, von denen 1.680 Meter in der Erde fest verlegt sind, während 6.180 Meter flexible Leitungen zur Veranstaltung gelegt werden mussten. Für die Wasserversorgung sorgten 5.031 Meter Wasserleitungen. Der Informationshunger der Besucher nach Starter- und Ergebnislisten verlangte nach 200.000 Kopien.

Bundeschampionat dreijährige Reitponys – Stuten und Wallache

Mac Devinja führt das Feld an

Hessische Stute Ohne Gleichen platziert sich im Finale

Neue Bundeschampioness der dreijährigen Reitponys ist die Stute Mac Devinja von FS Don’t Worry – Dornik B aus der Zucht von Dr. Erhard Coenen (Kalkar) und dem Besitz der Zuchtgemeinschaft Mölko aus Uedem.

Nahezu uneinholbar hatte die kleine Rheinländerin, die von Lydia Camp (Geldern) vorgestellt wurde, mit einer Durchschnittswertnote von 8,75 schon vor dem Fremdreitertest die Konkurrenz angeführt. „Ein Pony mit brillanten Bewegungen“, hatte Kommentator Dr. Dietrich Plewa das Urteil der drei Richter Peter Mannheims, Johann Speth und Jürgen Uthoff „übersetzt“, die unter anderem für den „ausdrucksvollen Trab“ die Wertnote 9,5 und für den Schritt mit seinem „imponierenden Raumgriff“ die Wertnote 9,0 gezückt hatten. Insgesamt kam Mac Devinja auf 69,00 Punkte.

Die beste Beurteilung der beiden Fremdreiterinnen Iris Borchers und Jessica Süß (18,00) erhielt der neue Vize-Champion, der Palomino-Hengst G-Star von FS Golden Highlight – Parsek ox (Züchter Josef Möllmann, Raesfeld; Besitzerin Lea Rebecca Zubel, USA). Wibke Hartmann-Stommel (Albachten) hatte mit dem westfälischen Vize-Champion die Finalqualifikation mit der Wertnote 8,5 gewonnen und kam im Finale auf eine Durchschnittswertnote von 8,17. In beiden Prüfungen erhielt G-Star für seine Galoppade die Wertnote 9,5. „Der Galopp ist imponierend, toll unterspringend, bei gleich bleibendem Rhythmus und absolut bergauf“, schwärmte Dr. Plewa.

Als Achte war die Drittplatzierte ins Finale eingezogen. Die westfälische Palomino-Stute Tiffany von Timberland – Golden Dancer (Züchter und Besitzer Nikolaus Niehaus, Bergisch Gladbach) mit Tanja Kleimann (Herbern) im Sattel konnte sich im Finale ganz deutlich steigern. Vor allem der schwungvolle Trab, der überzeugende Schritt und die Harmonie in der Vorstellung gefiel den Richtern. Von den beiden Fremdreiterinnen bekam Tiffany 17,0 Punkte, das führte zu einer Gesamtsumme von 65,5 Punkten.

Hessische Teilnehmer in Warendorf

Das beste Resultat aus hessischer Sicht lieferte die Okay Big Bambu- Tochter Ohne Gleichen, die mit Ihrer Reterin Dr. Katja Galmbacher (RSG Barbarossa Kaiserslautern) in der Finalqualifikation mit 7,83 einen höchst beachtlichen 4. Platz belegte. Die noch etwas unfertig wirkende Braune, aus der Zucht von Tobias Galmbacher, Neunkirchen wurde sowohl im Trab, im Galopp als auch in ihrem Ausbildungsstand mit 8,0 bewertet.

Im Finale konnte die Stute, trotz ihrer hervorragenden Reiterin, nicht mehr all ihre Möglichkeiten abrufen, sodass letztlich der 6. Finalplatz auch völlig in Ordnung ging.

Bei den dreijährigen Stuten und Wallache starterte weiterhin Wonderful Girl, die von Klarissa-Alexandra Liss (RuF Reiskirchen) vorgestellt wurde. Die Wimbledon x Arts- Dancer Boy- Tochter aus der Zucht von Sönke Rothenberger, Bad Homburg konnte in der Eröffnungsprüfung mit 7,25 einen Platz im Mittelfeld  belegen.

Mit einem Reserveplatz verfehlte Gleisberg Feivie mit ihrer Reiterin Klarissa-Alexandra Liss.

Der  sympatische Fuchsstute von Daiquiry x Dornik B aus der Zucht von Werner Elberich, Messel fehlten lediglich 0,9 Punkte zur Finalzulassung.

Saskia Fuchs , RuF Langenselbold stellte Laetitia  v. Dreamcatcher x Pilgrim´s Red. Die Stute aus der Zucht von Dr. Katharina Uhlenbrock, Bruchköbel konnte in der Prüfung nicht ganz die Erwartungen erfüllen, erzielte in der Endnote dennoch ein ziemlich gut.

Nach Aufgabe wegen Lahmheit erhielt der 4jährige, gekörte Noche Novio aus der Zucht von Heiko Scharf, Zierenberg keine Wertung. Besonders schade für seine Reiterin Juliane Kraus, RuF Ahnatal, die in der laufenden Saison mehrere Siege und Platzierungen mit dem Hengst erzielen konnte.

 Bundeschampionat dreijährige Reitponys – Hengste

Sieg für Dancing Dynamic

Warendorf (fn-press). Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundeschampionate stellte der Zuchtverband für deutsche Pferde (ZfdP) einen Bundeschampion bei den Reitponys. Der dreijährige Schimmel Dancing Dynamic, vorgestellt von Stefanie Görlich (Bad Wörishofen), gewann sowohl die Finalqualifikation als auch das Finale.

Zwei Mal zogen die Richter Peter Mannheims, Johann Speth und Jürgen Uthoff im Finale die Wertnote 9,0 für den gekörten Hengst von FS Dior de Luxe – Varello aus der Zucht und dem Besitz von Gerhard Assmann in Opfenbach: für den Trab sowie für Temperament und Harmonie der Vorstellung. In der Qualifikation hatte es sogar die Traumnote „10,0“ für den Schritt gegeben. Im Finale verhielt sich das Pony zunächst jedoch ein wenig, so dass die Schrittnote dann „nur“ noch bei 8,5 lag. Dazu addierte sich die Wertnote 8,5 für die Ausbildung, jeweils eine 8,0 für den Galopp und das Gebäude sowie 18,0 Punkte der beiden Fremdreiterinnen Iris Borchers und Jessica Süß, so dass Dancing Dynamic am Ende auf 69,0 Punkte kam.

Neuer Vize-Champion ist der Rheinländer Champagner de Luxe von FS Champion de Luxe aus einer Mutter von Parino B. „Ein charmantes, nobles Pony, das vor allem mit seiner Energie, seinem Fleiß und seine Taktsicherheit überzeugte“, sagte Dr. Dietrich Plewa in seinem Kommentar. Zwei Mal gab es für den Fuchshengst die 8,5 (für den Galopp und die Vorstellung), die beiden Fremdreiterinnen benoteten ihn – wie den Sieger – mit 18,0 Punkten. 67,00 lautete das Endergebnis. Champagner de Luxe wurde von Marion Scheypen (Neuss) vorgestellt, Züchter und Besitzer ist der Zuchthof Claren in Pulheim.

Vor dem Finale Teil B hatte der westfälische Prämienhengst Trussadi D noch auf Platz zwei gelegen. Beide Fremdreiterinnen kamen aber mit dem Timberland-Sohn aus einer Mutter v. Dschingis-Kahn nicht so gut zu Recht (16,5 Punkte), so dass am Ende für ihn 66,00 Punkte zusammen kamen. Von den Richtern erhielt Trussadi D, der von Paul Dissen (Nordkirchen) gezogen und von seiner Besitzerin Danica Duen (Bad Oeynhausen) vorgestellt wurde, für den Galopp, die Ausbildung und die Vorstellung die Wertnote 8,5 sowie ein glattes „Gut“ für den Trab, den Schritt und das Gebäude.

            Birgit Springmann

Bundeschampionat vierjährige Reitponys – Stuten und Wallache

Fremdreiterinnen votieren für Vodka Absolut

Im vergangenen Jahr musste er sich noch mit Platz drei zufrieden geben, in diesem Jahr war der Westfale Vodka Absolut der strahlenden Sieger bei den vierjährigen Ponys. Wie 2009 wurde er von Wibke Hartmann-Stommel (Münster) vorgestellt.                                  

Ausschlaggebend für den Sieg war die Beurteilung der beiden Fremdreiterinnen Dr. Katja Galmbacher und Jessica Süß, die sich auf dem Dunkelbraunen sichtlich wohl fühlten und ihm die beste Benotung aller drei in das Finale eingezogenen Ponys gaben (18,5). Bei den Richtern Peter Holler, Dr. Carsten Munk und Reinhard Richenhagen hatte der Wallach von Vivaldi – Notre Beau aus der Zucht von Maria Tenkleve (Vreden) und dem Besitz von Ira Sophie Hamann (Kerpen) mit einer Durchschnittswertnote von 8,33 noch Rang drei belegt. Die beste Note (9,0) gab es für den „durch den ganzen Körper gehenden, rhythmischen Galopp“. 

Das Richter-Trio sah Caspar HE WE vorn. Besonders begeistert waren sie von der „deutlichen Bergauf-Tendenz“ in Galopp (Wertnote 9,0), der Ausbildung (9,0) und der harmonischen Vorstellung (9,0) des Wallachs von Constantin – Wolkenstein II, der von Andrea Müller-Kerstan (Vechta) vorgestellt wurde. Mit der Durchschnittswertnote 8,58 war Casper HE WE aus der Zucht und dem Besitz von Sylla Holtkamp-Endemann (Freiburg) in den B-Teil des Finales eingezogen, in dem er von den beiden Fremdreiterinnen 17,0 Punkte bekam.

Auf Platz drei rangierte schließlich die Siegerin der Finalqualifikation, Catlyn. Die westfälisch gebrannte Tochter des zweifachen Bundeschampions FS Champion de Luxe aus einer Mutter von Bavarottie, die von Henrike Sommer (Albachten) vorgestellt wurde, verkörperte für die Richter den „Idealtyp eines Sportponys“ (Gebäude-Note 9,0) und überzeugte besonders auch im Schritt (9,0). Catlyn wurde von Josef Dinkels in Ascheberg gezogen und steht im Besitz der Zuchtgemeinschaft Sommerer aus Essen.                                                      

Birgit Springmann/Klaus Biedenkopf

Klaus Biedenkopf



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