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FN Bundesfjordhengstschau - ein Festival der Fjordpferde in Essen
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Fjordhengst Dexter wird Bundesprämiensieger

Die deutschen Fjordhengste im Rahmen der Equitana 2009 in Essen zu zeigen, war wohl die beste Entscheidung, die die Fjordpferdefreunde im Jubiläumsjahr – 35 Jahre IGF - treffen konnten. Es gibt nur wenige Möglichkeiten die Fjordpferdezucht einer solch großen und zugleich pferdeinteressierten Öffentlichkeit vorzustellen wie in Essen. Die Bundeshengstschauen bieten den Hengsthaltern für ihren Hengst zusätzlich die Möglichkeit das Prädikat “Bundesprämienhengst”, das nur den besten der Population vorbehalten ist, zu erhalten. Grundvoraussetzung für diesen Titel ist u.a. die Hengstleistungsprüfung. 42 Hengste wurden für die Bundesfjordhengstschau 2009, eine Co-Produktion der FN mit der IGF, gemeldet. Die FN Bundesprämie wurde überreicht vom Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Ponyzüchter (AGP) Hans-Heinrich Stien und Dr. Klaus Miesner, FN Geschäftsführer Abtlg. Zucht. Prominent waren auch die Gratulanten aus dem Ausland.


Siegerhengst Dexter


Kjartan


Mr. Tveiten


Dalbyn


Jonnson


Damar


Minor


Kristofferson


Pluto

Michelle Svae, stellvertretende Vorsitzende des "Norges Fjordhestlag" (Norwegen), Birgit Mortensen, Vorsitzende von "Fjordhesten Danmark" (Dänemark) und Ursula Jensen "Canadian Fjord Horse Association" zollten den Fjordpferdezüchtern mit ihren Glückwünschen und Ehrenpreisen großes Lob und Anerkennung. Weitere Gäste waren die Geschäftsführerin des "Nederlandse Fjordenpaarden Studbook", die Zuchtbuchführerin des Schweizerischen Ponyverbandes und die Geschäftsführerin des belgischen Fjordpferdestammbuchs, sowie etliche Züchter aus dem angrenzenden eurpäischen Umland. Als Richter standen Dr. Elisabeth Jensen, Schleswig Holstein, Jan Verbeeck, Belgien und H.-W. Kusserow, Rheinland-Pfalz-Saar, zur Verfügung.

Bundes-Siegerhengst der Jahrgänge 2004 und älter (mit HLP Ergebnis) wurde der mit sehr guten Reitpferdepoints ausgestattete Dexter v. VEH Dylan aus dem hochklassigem und weit verzweigten Stutenstamm der Janette des Georg Eitenmüller. Die Fjordstute Janette hat zahlreiche StPrSt und gekörte Sohne hervorgebracht. Der jugendlich wirkende Dexter ist fraglos ein Fjordhengst moderner, etwas eleganterer Prägung.

Er überzeugte durch sehr viel Bewegungsqualität. Im Trab zeigte er sich stets taktsicher mit beachtenswerter Rückentätigkeit, gutem Raumgriff und guter Bergauftendenz. Ebenso überzeugend der großzügige Schritt. Bei seiner Körung im hessischen Alsfeld im Jahr 2005 wurde er mit dem Titel süddeutscher Körungssieger bedacht. Seine Hengstleistungsprüfung legte er mit der Gesamtnote 8,48 und damit Prüfungssieger ab, was nachhaltig seine Qualitäten unter dem Reiter belegt. Züchter und Besitzer des Ausnahmehengstes ist Christian Eitenmüller aus Reichelsheim/Odw. (Hessen).

Der Titel des Bundes - Reservesiegerhengstes der Jahrgänge 2004 und älter (Mit HLP Ergebnis) ging an den in Norwegen gezogenen sehr ausdrucksstarken Hengst Resen von Kollistaen. Ein Fjordhengst, der in Punkto Typ das klassische Fjordpferd verkörpert. Im Hengstausdruck war er dem Siegerhengst vielleicht sogar überlegen. Hinzu kommen seine Vorzüge hinsichtlich seines Rahmens und seiner zweckmäßiger Körperkonstruktion. In der Bewegungsdarstellung punktete er insbesondere durch taktsicheren und von gutem Raumgewinn geprägten Schritt. Auch Resen legt mit 8,10 ein deutlich überdurchschnittliches HLP Ergebnis vor. Besitzer dieses mit der Bundesprämie ausgezeichneten Hengstes ist Inka Störmann, Flethsee (Schleswig Holstein).

Bundessiegerhengst bei den Junghengsten wurde der im mittleren Rahmen stehende attraktive Cobus v. Vasco. Im Trab wusste er sich sehr effektvoll in Szene zu setzen und bewegte sich damit an die Spitze seiner Mitbewerber. Der Schritt war geprägt von gutem Takt und gutem Fleiß. Der in den Niederlanden gezogene Cobus war im Jahr 2008 Rassesieger auf der Körung im rheinischen Wickrath. Ausstellerin des Hengstes ist Sabine Körner aus Bonn (Rheinland).

Mit dem Titel des Bundes – Reservesiegerhengstes bei den Junghengsten wurde Osterkov´s Gulliver v. Pelle Halsnaes ausgezeichnet. Ein Hengst mit gutem Rasse- und Geschlechtstyp und der über gute Substanz verfügt. In der Vorstellung zeigte er sich stets gelassen mit Ruhe und Sachlichkeit dar, was sicherlich nicht zuletzt ein Merkmal ist, welches das Fjordpferd besonders auszeichnet und entsprechende Beachtung verdient. Besitzer des in Dänemark gezogenen Osterkov´s Gulliver ist Frank Hensen aus Bunde/Boen (Weser Ems).

Im Ring der 5- und 6-jährigen Hengste rangierte der o.a. Bundessiegerhengst der Jahrgänge 2004 und älter Dexter an 1. Stelle. In der Spitzengruppe der Fjordhengste und damit mit der Bundesprämie ausgezeichnet stand der in Norwegen gezogene Mr. Tveiten v. Herman, der in diesem Ring an 2. Stelle lief. Ein ausdrucksstarker und besonders typvoller Hengst mit guter Substanz und Körperplastik. Der im gewünschten Rechteckformat stehende Mr. Tweiten zeigte sich im Gang seriös mit gutem Raumgewinn. Seine HLP legte er mit 7,59 ab. Besitzer ist Reinhold Eitenmüller aus Mossautal/Odw. (Hessen).

Mr. Tveiten folgte auf dem 3. Medaillenrang der bildhübsche Jonnson v. VEH Jon Halsnaes. Ein Hengst mit herrlichem Gesicht, gutem Auge und Flair. In der Bewegung waren die vorangehenden Hengste ihm überlegen. Mutter des Jonnson ist die StPrSt Smilla v. einstigen DLG Sieger VEH Ohlsen. Die StPrSt Smilla legte ebenso wie ihre Mutter StPrSt Sabina eine überdurchschnittliche Leistungsprüfung ab. Jonnson selbst legte seine HLP mit 7,88 ab. Züchter des Hengstes ist Gabriele Marberg auch Höchstadt. Besitzerin in Nicole Borsbach, Bergisch Gladbach (Rheinland)

Die Klasse der 7- bis 10-jährigen Hengste führte der o.a. Resen, der den Titel Bundes-Reservesieger (Jahrgänge 2004 und älter) in den Heimatstall holen konnte. Gefolgt wurde er von Sogneblakken. Sogneblakken v. BP Stedjeblakken – ebenfalls mit der Bundesprämie ausgezeichnet – verkörpert nicht den klassischen ausdrucksstarken Fjordtyp. Er ist ein sehr eleganter Fjordhengst mit gutem Gesicht und markantem sportlich geprägten Seitenbild. Hinzu kommen gute Reitpferdepoints und Bewegungsqualität. Seine Sportlichkeit und Reiteignung wird durch das HLP Ergebnis von 8,40 (Prüfungssieger) nachhaltig untermauert. Züchter ist Christina Tietgen aus Hamburg, Besitzer Hans Giesen, Odenthal (Rheinland).

An dritter Stelle in diesem Ring ging Kjartan v. Kristian a.d. bei Familie Bindenberger, Weilburg, seit Jahrzehnten gepflegten Stamm der StPrSt Gunilla aus dem sportlich als auch züchterisch erfolgreiche Pferde in Serie, wie u.a. die DLG Siegerstute Gipsy, die im Fahrsport hocherfolgreichen gekörten Hengste Hjalmar Junior und Hallodri hervorgingen. Kjartan selbst lässt sicherlich den klassischen Fjordpferdetyp und Hengstausdruck vermissen, andererseits weiß er sich jedoch in der Bewegung sehr auffällig und mit viel Format und sportlicher Begabung in Szene zu setzen. Ein Hengst mit beachtlichem Leistungsprofil. Mit einer HLP von 8,45 hat er sich bei den Fjordhengsten in der Spitzegruppe der Prüfergebnisse einen Platz gesichert. Züchter des mit der Bundesprämie ausgezeichneten Hengstes ist Albrecht Bindenberger, Besitzer sind A. und L. Bindenberger aus Weilburg/WW (Hessen).

An der Spitze der 12-jährigen und älteren Hengste rangierte der bereits vor Jahren mit der Bundesprämie ausgezeichnete Fjordhengst Kastanielystens Rasmus v. Jesper. Wenngleich er im Seitenbild nicht die optimale Harmonie vermittelt, so punktete dieser Hengst in besonderer Weise durch seine Bewegungspräsenz. Der taktsichere mit guter Rückentätigkeit und mit einem hohen Maß an Elastizität vorgetragene Trab sorgte in der großen Equitana-Halle für spontanen Szenenapplaus. Ebenso verdient der gelassene, raumgreifende und ebenso sichere Schritt besondere Wertschätzung. Besitzer des Hengstes ist Ulrich Kriese aus Breckerfeld (Westfalen).

In der gleichen Klasse marschierte der weißfalbe mit der Bundesprämie bedachte Fjordhengst Solbjor Borken an zweiter Stelle. Der typauffällige und mit gutem Rahmen und guter Substanz ausgestattete Hengst zeigte sich mit viel Übersicht und Gelassenheit. Die stets lockere Bewegungsart lässt auf Reitkomfort schließen, der nicht zuletzt auch durch das HLP Ergebnis von 8,18 belegt wird. 2 gekörte Söhne, sowie ein weiterer Sohn, der in Kanada im Zuchteinsatz ist, und mehrere StPr-Stuten kann Solbjor Borken auf seinem züchterischen Erfolgskonto verbuchen. Der in Norwegen gezogene Hengst, der als 2-jähriger Sieger der Hengstklasse in Sogn i Fjordane/Norwegen war, ist im Besitz von Eike Schön-Petersen, Leopoldshagen (Mecklenburg-Vorpommern).

Der mittlerweile 20-jährige Hengst Jokke – nunmehr Bundesprämienhengst – stellte sich in beachtenswerter Frische und guter Kondition dar und belegte in der Gruppe der älteren Hengste den 1 c Platz. Jokke ist Sohn des Jon Halsnaes, welcher der modernen Fjordpferdezucht sehr positive Impulse in Punkto Rittigkeit und Sportlichkeit gab. Jokkes Mutter ist die StPrSt Larissa, die u.a. den DLG Sieger und Elitehengst Ohlsen sowie die Bundessiegerstute Lajona hervorbrachte. Zahlreiche erfolgreiche Fjordpferde, wie z.B. die süddt. Körungssieger Kjorna, Dylix, Kvirlo u.v.a. gehen auf diese Linienbegründerin zurück. Mit einem HLP Ergebnis von 118,87 Punkten, das Jokke 1994 ablegte, belegt er deutlich überdurchschnittliche Leistungsveranlagung. Züchter des Jokke ist Reinhold Eitenmüller, Besitzerin ist das Fjordgestüt Wegmann, Süderstapel (Schleswig Holstein), das den Hengst als 3-jährigen entdeckte.

Die Bundeshengstschau bot hochinteressante Einblicke in die Typenvielfalt, die von klassisch original bis hin zu sportlich elegant reicht, ebenso war eine große Varianz in der Bewegungsdarstellung festzustellen. Hier waren Hengste vertreten, die insbesondere große Möglichkeiten im Schritt aufzeigten, andere zeichneten sich zusätzlich durch großes Kapital in der Trabbewegung aus. Weiterer Merkmalsblock sind Gebäude und Fundament. Die Körperharmonie und insbesondere das Fundament haben bei der Beurteilung weiterhin eine große Bedeutung. Hier mussten bei einigen Hengsten Abstriche gemacht werden. Fruchtbare, fachliche Diskussionen und gute Gespräche der Richter sorgten für gemeinsam getragene Entscheidungen. Es waren viele Merkmale zu bewerten und ausgewogen zu gewichten.

Bei allen züchterischen Überlegungen und Entscheidungen ist sicherlich dem Verwendungszweck des Fjordpferdes, der sich über die Jahre geändert hat, Rechnung zu tragen. Das Fjordpferd hat sich im Wettbewerb mit vielen anderen Ponyrassen einen beachtlichen Stellenwert im Freizeitsektor mit Ausrichtung Freizeitreiten, Fahrsport und als Therapiepferd erworben. Diesen Stellenwert gilt es zu erhalten und auszubauen. Vor diesem Hintergrund verdienen Reitkomfort, Rittigkeit und Beweglichkeit besonderes züchterisches Augenmerk, hinzu kommt die Erhaltung der dem Fjordpferd zu eigenen Character- und Nervenstärke, Umgänglichkeit und Unkompliziertheit.

Neben den Exterieurbeurteilungen liefern die Ergebnisse der Leistungsprüfungen wichtige Erkenntnisse über die interieuren Merkmale. Pferde mit gutem Interieur und Rittigkeit lassen sich auf dem Freizeitmarkt gut platzieren. Das hat die Ponyzucht aller Rassen erkannt. Insofern ist es wichtig, Hengste mit guten Prüfergebnissen einzusetzen und ebenso auch die Mütter prüfen zu lassen. Die Prüfergebnisse liefern wertvolle Orientierungshilfen für die Zucht. Aus diesen Überlegungen lässt sich ableiten, dass es für die Zucht sicherlich interessant ist, die große Typvarianz zu erhalten. Reiteignung und Interieur verdienen angemessene, besondere Beachtung. Hier sollten keine Kompromisse gemacht werden.

H.-W. Kusserow, LWK Rheinland-Pfalz /
Fotos: Meike Weimann, Foto Dexter:
Sandra Schäffner

Die Ergebnisse der Bundeshengstschau Fjord



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