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La Route du Poisson 2008
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Mit Kaltblutpferden auf der „Straße des Fisches“ unterwegs

 „La Route du Poisson“ – ins deutsche übersetzt „Die Straße des Fisches“ – ist ein internationaler Wettbewerb für Kaltblutpferde und gilt als das größte Ereignis für Arbeitspferde in Europa. Mannschaften aus Frankreich, Belgien, England, Deutschland und der Schweiz nehmen daran teil. Die Anzahl der vertretenen Kaltblutrassen ist ungleich höher. Für viele Kaltblutbesitzer und Freunde der „Dicken“, ist es ein Wunschtraum, einmal bei diesem Wettbewerb dabei sein zu dürfen.


Bei der Route du Poisson beweisen die Kaltblutpferde eindrucksvoll ihre Vielseitigkeit und Leistungsbereitschaft.
1991 rief der damalige Direktor des Nationalgestüts von Compiègne (Oise), M. Pourchet, diesen Wettbewerb ins Leben. Die ursprüngliche „Route du Poisson“ gibt es jedoch schon sehr viel länger, denn ab dem 13. Jahrhundert bis zur Eröffnung der Eisenbahnlinie im Jahr 1848, diente die Strecke dazu, die leicht verderblichen Fische so schnell wie möglich vom Hafen in Boulogne-sur-Mer, der Stadt der Fischer an der Atlantikküste im Nordwesten Frankreichs, per Pferdewagen auf den Markt nach Paris zu bringen. In weniger als 24 Stunden legten die von Boulogne-Pferden gezogenen, schweren Fischkarren damals die insgesamt 320 Kilometer lange Strecke zurück. Um das zu schaffen, gab es entlang der Strecke zwanzig Umspannstationen, an denen die Pferde gewechselt wurden. Die Wagen gehörten der Fischergenossenschaft „Chasse Marrée“ von Boulogne, die Pferde Berufskutschern, die für diese Genossenschaft arbeiteten. Die alte Straße von Boulogne nach Paris trägt heute noch den Namen „Route du Poisson“.

Um das Interesse an den verschiedenen Kaltblutrassen zu fördern, entwickelte der französische Pferdezuchtverband „Harras National“ in Compiègne, in Zusammenarbeit mit den Rassevereinen, den Wettbewerb, der sich an dieser geschichtlichen Vorlage orientiert.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht das Etappenfahren von Boulogne bis nach Chantilly kurz vor Paris. Mit den Gespannen bis ins Zentrum von Paris zu fahren, ist aufgrund des Verkehrs heute nicht mehr zu verantworten. Die gut 300 Kilometer lange Strecke ist – aufgeteilt in zwanzig Etappen – mit zehn Gespannen in einer bestimmten Zeit zu bewältigen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei etwa zwölf Stundenkilometern. Strafpunkte gibt es sowohl für zu langsames als auch für zu schnelles Fahren. Der strafpunktfreie Spielraum liegt bei 1,5 Prozent  über oder unterhalb der vorgegebenen Zeit. Jedes Gespann muss mindestens eine Etappe laufen und darf maximal drei Einsätze haben. Strafpunkte gibt es zudem für grundloses Anhalten und auch galoppieren ist verboten. An zwei Stationen wird die Zeit für den Pferdewechsel vor dem Wagen gestoppt und Schnelligkeit mit Sonderpunkten belohnt. Gute Zeiten liegen übrigens deutlich unter 30 Sekunden!

Doch die Veranstaltung besteht nicht nur aus dem Etappenfahren, sondern sie soll auch die Vielseitigkeit des modernen Kaltblutpferdes unter Beweis stellen. Mithin sind am Vortag der Tour, im Verlauf der Strecke und am Ziel diverse Zusatzaufgaben zu absolvieren. Dazu zählen eine Marathonprüfung, Geschicklichkeitsfahren, Vierspännerprüfungen, eine Reitaufgabe und eine besondere Zugleistungsprüfung mit einem Fischkutter am Strand von Boulogne-sur-Mer. Schon bei der Auswahl der Gespanne tut jede Mannschaft gut daran, diese Sonderaufgaben zu berücksichtigen und entsprechende Spezialisten (und möglichst auch Ersatz für diese) ins Team zu nehmen.  Den Auftakt und Abschluss des Wettbewerbs bildet ein großer Umzug mit allen Teilnehmern in den unterschiedlichsten Aufmachungen.

Bei allen Prüfungen gilt es, die Leistungsfähigkeit der Pferde und Fahrer zu beweisen. Die Gesundheit und Achtung der Pferde hat jedoch höchste Priorität und steht über allem sportlichen Ehrgeiz. Das zeigt sich schon darin, dass die Gesundheitskontrollen vor dem Start überaus gründlich erfolgen und sehr streng sind. Auch nach jeder Etappe stehen Gesundheitschecks an. Pferde, die Anzeichen von Überanstrengung oder andere Auffälligkeiten zeigen, werden gesperrt.


Unterwegs in Frankreich
Die Ausrichtung der Veranstaltung ist eine logistische Höchstleistung und um überhaupt im Bereich des Machbaren zu bleiben, sind maximal 16 Mannschaften mit jeweils zehn Kaltblutgespannen, also 320 teilnehmende Pferde, zugelassen. Rechnet man drei bis vier Personen pro Gespann und dazu noch etwa 20 Betreuer für eine Mannschaft, gehören zu einem Team mindestens 20 Pferde und rund 60 Personen. Hinzu kommen noch die erforderlichen Ärzte, Tierärzte und Sanitäter, Hufschmied, Küchenmannschaft, Techniker, Übersetzer und die Besatzung für das Begleitfahrzeug. Die Vorbereitungszeit beträgt nahezu zwei Jahre.

Zu mindestens zwei Vorbesprechungen reisen die Teamchefs nach Frankreich an und halten zudem ständigen Kontakt zu den französischen Veranstaltern, um eventuelle Programmänderungen sofort umsetzen zu können. In den Teams sind die Fragen des Transportes, der Unterbringung und der einheitlichen Mannschaftskleidung zu koordinieren. Die umfangreichen organisatorischen Arbeiten für die deutsche Mannschaft liegen seit 1999 in den bewährten Händen von Jutta und Dr. Jürgen Böhm (Meßdorf).

Anfangs bestand das deutsche Team überwiegend aus hessischen Teilnehmern, inzwischen sind Gespanne aus den verschiedensten Bundesländern vertreten. Darunter Fahrer, die bereits von diversen in Deutschland stattfindenden Kaltblutwettbewerben bestens bekannt sind. Nur der Idealismus der beteiligten Kaltblutfreunde, die keine Mühen scheuen und auch den größten Teil der Kosten selbst tragen, macht den Start des deutschen Teams bei der Route du Poisson überhaupt möglich. Erfreulicherweise haben sich einige Förderer gefunden, die die Teilnehmer unterstützen: Die Firma Kühnle-Kutschen stellt die benötigten Kutschen zur Verfügung und transportiert sie sogar nach Frankreich und die Firma Sieltec unterstützt die Fahrer sowohl mit Geschirren als auch finanziell. Zudem gibt es Unterstützung vom Verband der Pony- und Pferdezüchter Hessen, der Interessengemeinschaft Zugpferde (IGZ) Deutschland und der R+V Tierversicherung. Weitere Förderer und Sponsoren sind gerne willkommen. Nähere Infos erteilt Heiko Schwarz unter Tel. 0170/8931317, email: Heiko.Schwarz@ruv.de.

Voraussichtlicher  Zeitplan für die Route du Poisson 2008:

Mittwoch, 17. September:
Anreise der Teilnehmer

Mittwoch, 17. September und Donnerstag, 18. September:
Registrierung der Pferde und tierärztliche Kontrolle,
Überprüfung der zum Einsatz kommenden Kutschen auf Gewicht und Tauglichkeit, Vorstellung des Begleitautos für den Teamchef, in dem auch ein Richter sitzt. 

Donnerstag 19. September:
Spezialprüfungen und Marathonprüfung. Direkt im Anschluss daran geht es auf die 24-Stunden-Strecke.

Infos: www.ap3c.org

© Text: Sylvia Kirsten Brehm

Fotos: privat



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